Bei B.B. ankert Freiburgs Seele

BB: Die wohlgerundeten Initialen stehen in der weiten Welt für Brigitte Bardot und manchmal für Bert Brecht. Nur Freiburg hat ein ganz anderes, aber heiß geliebtes Bébé: den Bertoldsbrunnen. Der Bertoldsbrunnen muss es sein für den Freiburger. Was nicht bis zum Bertoldsbrunnen vordringt, hat die Innenstadt nie berührt.

Drum verabredet sich der Freiburger am liebsten am Bertolsbrunnen, drum stellt er dort unbeirrt von allen Verboten sein Fahrrad ab und ist seit 1996 beleidigt: Seitdem nämlich die Busse auf den nur ein paar hundert Meter entfernten Rotteckring verlegt wurden. Eine Zumutung für die B.B.-fixierte Freiburger Seele; dass jetzt wieder eine der drei Buslinien zum Bertolsbrunnen darf, ist nur eine schwache Genugtuung.

Neulinge mögen sich da wundern: "Ist mir noch nie aufgefallen, der Brunnen." Aber das ist es ja gerade: Dieser Betonklotz, auf dem ein Klappergaul einen muskelschwachen Sitzriesen Richtung McDonald´s schleppt, ist vollkommen unspektakulär. Und schön findet ihn ja auch niemand. Aber es geht ja nicht um Ästhetik, und schon gar nicht ums Gedenken an Ritter Bertold, dem vermeindlichen Stadtgründer.

Nein, der Bertoldsbrunnen hat vielmehr ideelen Wert, er gibt den Freiburgern Leben, Halt und Orientierung: zu wissen, hier ist das Zentrum. Deshalb traf Freiburg sich sogar am Bertoldsbrunnen als es gar keinen Bertoldsbrunnen gab: Zwischen 1944 und 1966, als der alte B.B. zerbombt und der neue noch nicht erfunden war, wunderten sich nur Touristen, warum die Kreuzung zwischen Kaiser- und Bertoldstraße nach einem unsichtbaren Brunnen hieß.

Der Neufreiburger lernt den Bertoldsbrunnen erst richtig kennen, wenn er auf der Jagd nach der Straßenbahn in die Pfütze gestolpert ist, die den Fuß des Sockels umspült. Von nun an macht er immer einen kleinen Bogen um B.B. und fängt an, sich dort zu verabreden.

BZ / ag